Der Begriff Roulette stammt aus dem Französischen und bezeichnet wörtlich ein „kleines Rad". Das Spiel zählt zu den ältesten Tischklassikern Europas; sein Ursprung wird im Frankreich des 18. Jahrhunderts vermutet. Die heute verbreitete Form mit einer einzigen Null geht auf die Gebrüder Blanc zurück, die das Layout in den 1840er Jahren in Bad Homburg etablierten. Seit knapp zwei Jahrhunderten hat sich an den drei Kernelementen nichts mehr verändert: ein rotierender Kessel mit nummerierten Fächern, eine Kugel und eine Tischauflage mit klar markierten Einsatzfeldern.

In dieser Übersicht erläutern wir den Spielablauf, die einzelnen Einsatzarten und die Varianten, die Ihnen am Tisch begegnen können. Bewusst verzichten wir auf jede Form von Strategie-Versprechen — der Erwartungswert spricht mathematisch gegen den Spieler, und seriöse Wahrscheinlichkeits-Literatur weist seit Jahrzehnten nach, dass Progressionssysteme wie „Martingale" oder „D'Alembert" diese Tatsache nicht aushebeln können.

Der Kessel und seine Varianten

Europäische bzw. französische Bauart

Der europäische Kessel umfasst 37 Fächer: die Zahlen 1 bis 36 sowie eine einzelne Null. Die Anordnung der Zahlen erfolgt nicht numerisch, sondern nach einem ausgeklügelten Schema, das die Farben Rot und Schwarz abwechselnd verteilt und gegenüberliegende Zahlen rechnerisch ausbalanciert. Achtzehn Fächer sind rot, achtzehn schwarz, die Null grün.

In deutschen Spielbanken dominiert diese Variante deutlich. Der theoretische Hausvorteil liegt bei 2,70 Prozent — entsprechend dem Verhältnis 1/37.

Amerikanische Bauart

Das amerikanische Pendant arbeitet mit 38 Fächern: zusätzlich zu 1 bis 36 und der einfachen Null findet sich eine Doppelnull (00). Diese zweite Null verschiebt die Bilanz spürbar zu Gunsten des Hauses: Der Hausvorteil steigt auf 5,26 Prozent. Aus Spielerperspektive ist diese Variante daher deutlich ungünstiger.

In Deutschland trifft man amerikanische Tische nur selten an. In Las Vegas und Macau hingegen ist diese Bauart vielerorts Standard, sofern nicht ausdrücklich ein europäischer Tisch ausgewiesen wird.

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Wie eine Runde abläuft

Den Tisch leitet ein Dealer, der bei französischen Tischen traditionell als „Croupier" angesprochen wird. Mit dem Aufruf „Faites vos jeux" — an deutschen Tischen häufig sinngemäß „Platzieren Sie bitte Ihre Einsätze" — wird die Einsatzphase eröffnet. Während die Gäste ihre Jetons auf die Tischauflage legen, setzt der Croupier den Kessel in Bewegung und wirft die Kugel entgegen der Drehrichtung ein. Sobald die Kugel an Geschwindigkeit verliert, beendet die Formel „Rien ne va plus" beziehungsweise „Nichts geht mehr" das Setzen. Fällt die Kugel in ein Fach, ruft der Croupier die Gewinnzahl aus, zieht verlorene Einsätze ein und zahlt die Gewinne aus.

Welche Einsatzarten existieren

Innere Einsätze — höhere Quoten, niedrigere Trefferwahrscheinlichkeit

  • Plein (einzelne Zahl) — der Einsatz liegt auf einer einzigen Nummer. Auszahlung: 35:1
  • Cheval (Split) — der Einsatz steht auf der Linie zwischen zwei benachbarten Zahlen. Auszahlung: 17:1
  • Transversal Plein (Street) — drei Zahlen einer Querreihe werden zusammengefasst. Auszahlung: 11:1
  • Carré (Corner) — vier Zahlen, die sich in einem Kreuzungspunkt berühren. Auszahlung: 8:1
  • Transversal Simple (Six Line) — sechs Zahlen aus zwei nebeneinanderliegenden Querreihen. Auszahlung: 5:1

Äußere Einsätze — niedrigere Quoten, höhere Trefferwahrscheinlichkeit

  • Colonne (Kolonne) — alle zwölf Zahlen einer der drei Längskolonnen. Auszahlung: 2:1
  • Douzaine (Dutzend) — die ersten, mittleren oder letzten zwölf Zahlen. Auszahlung: 2:1
  • Rouge/Noir (Rot/Schwarz) — Einsatz auf eine der beiden Farben. Auszahlung: 1:1
  • Pair/Impair (Gerade/Ungerade). Auszahlung: 1:1
  • Manque/Passe — die untere (1–18) bzw. obere Tischhälfte (19–36). Auszahlung: 1:1

La-Partage — die französische Sonderregel

Eine Eigenheit des französischen Spiels, wie es in Baden-Baden, Wiesbaden und anderen europäischen Traditionshäusern üblich ist, trägt den Namen La-Partage-Regel. Sie greift ausschließlich auf einfache Chancen (Rot/Schwarz, Gerade/Ungerade, Hoch/Niedrig) und immer dann, wenn die Kugel in der Null landet.

Ohne La-Partage: Bei Null verfällt der gesamte Einsatz auf einfache Chancen.

Mit La-Partage: Bei Null bekommt der Spieler die Hälfte seines Einsatzes auf einfache Chancen zurück. Damit reduziert sich der Hausvorteil auf diesen Wettarten von 2,70 auf rund 1,35 Prozent.

Manche Häuser arbeiten alternativ mit der En-Prison-Regel: Der Einsatz bleibt für eine weitere Runde „gefangen". Trifft er in dieser Folgrunde zu, wandert das Geld ohne Gewinnaufschlag zurück; verliert er erneut, ist es weg. Rechnerisch ist En-Prison ähnlich vorteilhaft wie La-Partage.

Einsteigern raten wir, beim Setzen am Tisch gezielt nach den geltenden Sonderregeln zu fragen. Der Croupier gibt dazu zuverlässig Auskunft.

Tischlimits in der Praxis

Jeder Roulette-Tisch ist mit eigenen Mindest- und Höchsteinsätzen ausgestattet, die zwischen inneren und äußeren Einsätzen unterscheiden. Typische Bandbreiten in deutschen Spielbanken:

  • Minimum für innere Einsätze: 1 bis 5 Euro, je nach Haus und Tisch
  • Minimum für äußere Einsätze: 5 bis 10 Euro
  • Maximum auf eine einzelne Zahl (Plein): 500 bis 5.000 Euro
  • Maximum auf einfache Chancen: 5.000 bis 50.000 Euro, in Premium-Räumen entsprechend höher

Die jeweils gültigen Limits sind auf den Tischschildern ausgewiesen; der Croupier beantwortet Rückfragen.

Annoncierte Einsätze und Nachbarwetten

An französischen Tischen begegnen Besucher zusätzlich Begriffen, die zunächst rätselhaft klingen — sogenannte annoncierte oder Nachbarwetten. Es handelt sich um vorgegebene Setzmuster, die der Croupier auf Zuruf platziert. Diese Wetten ändern den rechnerischen Hausvorteil nicht, sondern fassen lediglich mehrere innere Einsätze zu einem Setzbild zusammen.

  • Voisins du Zéro — die siebzehn Zahlen, die im Kessel rund um die Null liegen. Ein typisches Setzmuster für Spieler, die einen bestimmten Sektor des Rads abdecken möchten
  • Tiers du Cylindre — das mittlere Drittel des Rads, gegenüber den Voisins. Zwölf Zahlen, jeweils auf Splits gesetzt
  • Orphelins — die „Waisen", also jene Zahlen, die weder zu den Voisins noch zu den Tiers gehören. Acht Zahlen, geringere Einsatzhöhe
  • Finales — Wetten auf alle Zahlen, die mit derselben Endziffer enden, etwa eine Final 5 (5, 15, 25, 35)

Wer eine annoncierte Wette platzieren möchte, ruft sie deutlich auf französisch oder deutsch an, sodass der Croupier das Setzbild übernehmen kann. Im Zweifel reicht eine knappe Erklärung — das Saalpersonal hilft kooperativ weiter.

Französisches versus englisches Roulette

Auch innerhalb der europäischen Bauart existieren stilistische Unterschiede. Im klassischen französischen Roulette stehen die Spieler gemeinsam an einem großen Tisch, die Tischsprache ist französisch, und Croupiers nutzen den Rateau (eine Art langes Schiebebrett), um Jetons über die Auflage zu manövrieren. Beim englischen Roulette sitzen Gäste an kleineren Tischen mit eigenen Setzplätzen; die Spielführung erfolgt zügiger und in der Regel auf Englisch oder Deutsch. Die Spielregeln und Quoten sind in beiden Fällen identisch — die Atmosphäre unterscheidet sich aber spürbar.

Etikette am Tisch

  • Jetons werden ausschließlich vom Croupier gegen Bargeld ausgegeben — niemals selbst aus dem Wechselgeldfach nehmen
  • Einsätze sind nur während der offiziellen Einsatzphase erlaubt — nach „Rien ne va plus" wird nichts mehr aufgelegt
  • Nicht über den Tisch lehnen oder in den Kessel greifen — die Saalsicherheit reagiert hier sofort
  • Speisen sind am Tisch tabu, Getränke nur im Glas, nicht in Flaschen
  • Ein Trinkgeld für den Croupier (Tronc) gilt bei Gewinnen als wertschätzend, ist aber freiwillig
  • Foto- und Videoaufnahmen sind in den meisten Spielsälen ausdrücklich untersagt

Was Roulette statistisch bedeutet

Roulette ist und bleibt ein Spiel reinen Zufalls. Keine Strategie, kein „System" und keine Mustererkennung kann den Hausvorteil aushebeln. Frühere Versuche, einen Bias eines Rads durch lange Beobachtungsphasen aufzuspüren, scheitern heute an der täglichen technischen Prüfung sämtlicher Kessel zwischen den Schichten.

Wer regelmäßig spielt, wird im Erwartungswert verlieren — bei europäischem Layout im Schnitt 2,70 Prozent des Einsatzes, bei amerikanischem 5,26 Prozent. Einzelne Sitzungen können selbstverständlich anders enden, doch über viele Spielrunden gleicht sich die Mathematik aus. Wer eine sauber rechnerische Darstellung sucht, findet sie etwa in Edward Thorps „The Mathematics of Gambling".

Setzen Sie deshalb nur ein vorab definiertes Budget ein, dessen Verlust Sie verschmerzen können. Behandeln Sie den Tischbesuch als Unterhaltungsausgabe — nicht als Geldanlage. Mehr dazu finden Sie auf unserer Seite Verantwortungsbewusst spielen.

Was die Häuser unterscheidet

In Baden-Baden dominiert das französische Roulette mit La-Partage. In Berlin und Hamburg stehen meist beide Varianten parallel zur Wahl. In Las Vegas führt der amerikanische Kessel das Angebot an; in Premium-Häusern wie Bellagio oder Wynn lassen sich auf Nachfrage europäische Tische öffnen.

Weitere Guides: Blackjack-Grundlagen, Kleiderordnung.

Verantwortungsbewusst spielen

Roulette ist Unterhaltung, keine Einkommensquelle. Bei Sorgen wegen Ihres Spielverhaltens: BZgA-Beratung.

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