Unter den Tischspielen, die in Spielbanken weltweit angeboten werden, zählt Blackjack — historisch auch als „Vingt-et-un" oder schlicht „21" geläufig — zu den meistgespielten Klassikern. Die Wurzeln reichen vermutlich ins Frankreich des 17. Jahrhunderts zurück; seine heute übliche Form formte sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts in den US-Häusern. Anders als beim Roulette beeinflussen am Blackjack-Tisch die Entscheidungen des Spielers den Ausgang einer Hand spürbar — es handelt sich nicht um reines Glücksspiel.
Im Folgenden erläutern wir das Regelwerk, die wichtigsten Hand-Signale und das Konzept der Basic Strategy — also der mathematisch optimalen Spielweise unter gegebenen Hausregeln. Wichtig zur Einordnung: Selbst wer Basic Strategy fehlerfrei beachtet, sieht sich weiterhin einem Hausvorteil von rund 0,3 bis 0,8 Prozent gegenüber, abhängig von den Tischregeln. Kartenzählen könnte diesen Wert theoretisch kippen, scheitert in modernen Häusern jedoch an Mehrdeck-Schuhen und automatischen Mischmaschinen — und ist ohnehin nicht Thema dieser Übersicht.
Das Spielziel
Der Spieler tritt am Blackjack-Tisch nicht gegen Mitspieler, sondern ausschließlich gegen den Dealer an. Ziel ist es, eine Hand zu erreichen, deren Punktsumme näher an 21 liegt als die des Dealers, ohne diese Marke zu übersteigen — der Überschuss wird „Bust" genannt. Wer selbst über 21 kommt, hat sofort verloren. Übersteigt umgekehrt der Dealer die 21, gewinnen sämtliche Spieler, die ihre Hand zuvor regulär abgeschlossen haben.
Wie die Karten zählen
- Zahlenkarten 2 bis 10 zählen mit ihrem Nennwert
- Bube, Dame und König — die Bildkarten — bringen jeweils 10 Punkte
- Das Ass darf flexibel als 1 oder 11 gewertet werden, je nachdem, was günstiger ausfällt
Befindet sich in einer Hand ein Ass, das ohne Überschreiten als 11 gezählt werden kann, spricht man von einer „soft"-Hand (weich). Lässt sich das Ass nur noch als 1 zählen, ohne 21 zu sprengen, gilt die Hand als „hard". Beispielsweise ergibt Ass plus Sechs eine soft 17, die wahlweise als 7 oder 17 gespielt werden kann. Eine Kombination aus Ass, Sechs und Neun zwingt das Ass dagegen auf den Wert 1 — Resultat: hard 16.
Der Ablauf einer Hand
Bevor Karten gegeben werden, platziert der Spieler seinen Einsatz im markierten Feld. Anschließend verteilt der Dealer an jeden Mitspieler zwei offene Karten und nimmt für sich selbst eine offene Karte sowie eine verdeckte „Hole Card". Erhält ein Spieler bereits in den ersten zwei Karten einen natürlichen Blackjack — also ein Ass kombiniert mit einer Bildkarte oder einer Zehn —, wird dies klassisch im Verhältnis 3:2 (also mit 150 Prozent des Einsatzes) ausbezahlt, sofern der Dealer nicht selbst ebenfalls Blackjack vorlegt.
Wer keinen sofortigen Blackjack hält, hat nun die Wahl zwischen folgenden Aktionen:
Hit — eine weitere Karte
Der Spieler fordert vom Dealer eine zusätzliche Karte. Wiederholen lässt sich diese Bitte beliebig oft, solange der Punktwert der Hand 21 nicht überschreitet. Hand-Signal: ein leichtes Tippen mit der Fingerspitze auf die Tischauflage (bei offener Kartengabe) bzw. eine Wischbewegung zum eigenen Platz hin (bei verdeckter Kartengabe).
Stand — die Hand schließen
Der Spieler verzichtet auf weitere Karten und beendet damit seinen Zug. Hand-Signal: die flache Hand kurz waagerecht über der Karte hin und her bewegen oder die Handfläche nach unten Richtung Tisch streifen.
Double Down — verdoppeln
Der Einsatz wird verdoppelt und der Spieler erhält genau eine zusätzliche Karte, anschließend ist sein Zug beendet. Erlaubt ist diese Aktion nur unmittelbar nach Erhalt der ersten beiden Karten. Manche Häuser limitieren das Verdoppeln auf Hände mit Gesamtwert 9, 10 oder 11. Hand-Signal: weitere Chips in gleicher Höhe direkt neben den Originaleinsatz legen.
Split — die Hand teilen
Liegen zwei Karten gleichen Werts vor — etwa zwei Achten —, lässt sich die Hand in zwei separate Hände aufspalten. Dazu wird ein zweiter Einsatz in identischer Höhe nachgelegt. Beide Hände werden danach unabhängig zu Ende gespielt. Sonderfall: Bei einem Split aus zwei Assen erhält jede Hand in der Regel nur noch eine einzige weitere Karte. Hand-Signal: zweiten Einsatz neben die erste Karte legen, anschließend mit dem Zeigefinger zwischen den Karten ein „V" andeuten.
Surrender — vorzeitig aufgeben (nicht überall verfügbar)
Wer eine besonders schlechte Ausgangslage erkennt, kann seine Hand abgeben und erhält dafür die Hälfte des Einsatzes zurück. In deutschen Spielbanken wird Surrender nur ausnahmsweise angeboten; in einzelnen Las-Vegas-Häusern ist die Aktion gängig.
Die festen Regeln des Dealers
Der Dealer trifft am Blackjack-Tisch keine eigenen Entscheidungen — sein Vorgehen ist durch die Hausregel bis ins Detail vorgegeben:
- Dealer hits on 16 or less — bei einem Punktwert unter 17 muss zwingend nachgezogen werden
- Dealer stands on hard 17+ — bei einer harten Hand von 17 oder mehr Punkten ist die Runde für den Dealer beendet
- Soft-17-Klausel — diese Regel variiert: Manche Häuser zwingen den Dealer, eine soft 17 (Ass + 6) zu ziehen, in anderen bleibt er stehen. Die Variante „Dealer stands on soft 17" (Kürzel S17) ist für Spieler die günstigere
Basic Strategy — der mathematisch optimale Plan
Unter Basic Strategy versteht man die rechnerisch optimale Entscheidung für jede mögliche Konstellation aus Spielerhand und sichtbarer Dealer-Karte. Die Berechnung gelang in den 1950er Jahren der Forschergruppe Baldwin, Cantey, Maisel und McDermott mit Hilfe damals neuer elektromechanischer Rechenmaschinen; 1962 publizierte Edward Thorp diese Erkenntnisse umfassend in „Beat the Dealer".
In der Praxis wird Basic Strategy als Tabelle dargestellt — die bekannte „Basic Strategy Chart". Wer konsequent danach spielt, drückt den Hausvorteil je nach Regelvariante auf etwa 0,3 bis 0,8 Prozent. Ohne dieses Wissen bewegt sich der Spieler typischerweise bei einem Hausvorteil von 2 bis 4 Prozent.
Faustregeln aus der Basic Strategy
Die vollständige Chart sprengt den Rahmen dieser Übersicht; sie ist in einschlägiger Literatur — etwa bei Thorp — vollständig dokumentiert. Die wichtigsten Daumenregeln im Überblick:
- Hard 17 oder höher: stehen bleiben
- Hard 12 bis 16: stehen, wenn der Dealer eine 2, 3, 4, 5 oder 6 zeigt; ansonsten Karte nehmen
- Hard 11: verdoppeln, außer der Dealer hält ein Ass
- Hard 10: verdoppeln gegen Dealer-Karten von 2 bis 9; sonst Karte
- Hard 9: verdoppeln gegen Dealer-Karten 3 bis 6; sonst Karte
- Soft 18 (Ass + 7): verdoppeln gegen 3 bis 6, stehen gegen 7 und 8, Karte gegen 9, 10 oder Ass
- Asse und Achten: stets splitten
- Zwei Zehner-Karten: nicht splitten, sondern als 20 stehen
- Zwei Fünfen: nicht splitten — wie eine hard 10 behandeln und gegebenenfalls verdoppeln
Eine komplette Chart in druckreifer Form findet sich in jedem seriösen Blackjack-Lehrbuch (Thorp, Wong oder Snyder). Ob das Mitbringen einer gedruckten Tabelle an den Tisch toleriert wird, hängt vom Haus ab: In Baden-Baden und Wiesbaden ist dies eher unüblich, in Las Vegas wird es vielerorts hingenommen.
Insurance — die Nebenwette
Zeigt der Dealer als offene Karte ein Ass, bietet er den Mitspielern eine sogenannte „Insurance" an. Es handelt sich um eine Nebenwette in Höhe der halben Originaleinsatzes, die im Verhältnis 2:1 ausbezahlt wird, sofern der Dealer Blackjack hält. Rechnerisch ist diese Wette ein schlechtes Geschäft — der Hausvorteil liegt bei rund 7 Prozent —, weshalb Basic-Strategy-Anwender sie konsequent ablehnen.
Tischlimits und unterschiedliche Auszahlungsquoten
Typische Blackjack-Tische in deutschen Spielbanken arbeiten mit Mindesteinsätzen zwischen 5 und 20 Euro und Höchsteinsätzen von 500 bis 5.000 Euro. Besonders aufmerksam sollten Sie die ausgewiesene Blackjack-Auszahlung lesen:
- 3:2 — der traditionelle Standard. Bei einem 10-Euro-Einsatz beträgt die Blackjack-Auszahlung 15 Euro
- 6:5 — die ungünstigere Variante, die einige amerikanische Häuser eingeführt haben. Hier liefert ein 10-Euro-Einsatz bei Blackjack nur 12 Euro. Diese Quote vergrößert den Hausvorteil um etwa 1,4 Prozentpunkte
Tische mit 6:5-Auszahlung sollten Sie meiden. Die jeweilige Quote ist üblicherweise auf dem Tischschild abgedruckt.
Verhalten am Tisch
- Pro Spieler ist eine Hand vorgesehen, sofern das Haus nicht ausdrücklich Mehrfach-Hände gestattet
- Karten in offen ausgespielten Varianten nicht anfassen; bei verdeckten Spielen kurz mit einer Hand aufnehmen, ohne sie zu knicken
- Die genannten Hand-Signale haben Vorrang vor verbalen Aussagen — der Dealer richtet sich nach der Geste, nicht nach dem Wort
- Tipps an Mitspieler vermeiden — das gilt als unhöflich und ist in vielen Häusern ausdrücklich untersagt
Fazit zum Spiel
Aus rein mathematischer Sicht zählt Blackjack zu den fairsten Tischspielen einer Spielbank — wer Basic Strategy korrekt anwendet, sieht sich einem geringeren Hausvorteil gegenüber als an Roulette- oder Baccarat-Tischen. Allerdings ist Blackjack zugleich das anspruchsvollste der drei: Wer ohne Basic Strategy spielt, fährt rechnerisch schlechter als am Roulette-Kessel. Unsere Empfehlung an Einsteiger lautet daher pragmatisch: nehmen Sie sich vor dem Saalbesuch eine Basic-Strategy-Chart vor und üben Sie ein paar Hände mit einem kostenfreien Trainings-Simulator. Dann betreten Sie den Tisch vorbereitet, und der Abend bleibt das, was er sein soll — Unterhaltung mit klarem Rahmen.
Weitere Guides: Roulette-Regeln, Kleiderordnung, Glücksspielstaatsvertrag.
Verantwortungsbewusst spielen
Blackjack ist Unterhaltung, keine Einkommensquelle. Bei Sorgen: BZgA-Beratung.
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